Gina vom Fohlen bis......

Gina ist nun 6 Jahre alt

das NHS Training beginnt

In letzter Zeit hatte sich mein Verhältnis zu Gina sehr verschlechtert. Gina wollte weder zu mir kommen noch hatte sie Spaß am reiten. Sie ignorierte mich schnappte nach mir und hatte eigentlich nur noch fressen im Kopf. Auf dem Platz war sie wild und frech teilweise bockig oder sie hatte ihre Nase nur im Grass stecken. Sie trampelte mir auf den Füssen rum und mein eh schon schlechtes Selbstwertgefühl verschwand ganz im Keller.
Auf so ein Pony hatte ich aber keine Lust und fuhr nicht mehr oft zum Stall. Ich spielte sogar mit dem Gedanken, sie zu verkaufen. Ein Pony bei dem ich nur frustriert bin, das war keine Erholung vom Stressigen Altag. Das genau das ,Schuld daran war, wurde mir erst viel später Bewusst....



Ich nahm all meinen Mut zusammen und rief meine ehemalige Stall-kollegin aus Hausstadt, Ines an.
Ich hatte schon immer Bewundert was für eine tolle Beziehung sie und ihre Stute Sammy zueinander hatten. Wenn Ines ihrer Sammy das Halfter anlegen wollte stecke die ihren Kopf von alleine ins Halfter oder wenn sie zur Weide ging kam Sammy freudig angelaufen. Ines setzte sich auf einen Stuhl und lies Sammy in allen Gangarten am Seil um sich herumlaufen.

Ich dachte damals aber immer, das ich son NHS nicht brauchte, das ich auch alles so schaffen könnte und außer dem hat Pat Parelli ja einen schlechten Ruf weil er seine Pferde ständig Dominiert damit sie gehorchen und das wollte ich nicht. Ich wollte eine Freundschaftliche Beziehung zu meinem Pferd, ohne Dominanz und son fieses Zeug .

Wie falsch ich da doch lag...

Ines kam zum Stall, zunächst sollte ich Gina frei auf dem Platz, laufen lassen. Das tat ich. Ich hatte etwas Angst weil Gina doch ziemlich heftig und wild werden konnte. Ines hatte keine Angst.
Dann nahm sie ein Knotenhalfter und ein 3 Meter Seil und fing sich Gina ein. Sie erklärte mir das
erste Spiel des NHS

frindli Game. -Freundschaft Spiel. 

Zuerst geht es darum dem Pferd zu zeigen, dass Du ihm nicht wehtun wirst, obwohl Du es könntest. Statt es nur zu streicheln wird es mit Gegenständen konfrontiert, die ihm Angst machen könnten. Dem Pferd wird hierbei bewiesen, dass ihm nichts passiert. Man reibt es am ganzen Körper mit Strick, oder Gerte, schlingt das Seil um seine Hufe. Hüpft um das Pferd. Wirft den Strick über den Rücken. Streicht z.B. mit Mülltüten darüber. Der Trick ist das alles mit Rhythmus zu tun, bis das Pferd sicher ist, dass es nichts zu befürchten hat und alleine ruhig dasteht..
Das "Friendly Game" ist nichts weiter, als das Pferd mit der Hand oder mit einem Gegenstand überall zu berühren und rhythmisch zu streicheln. Das Pferd soll lernen, dass ihm vom Menschen keine Gefahr droht, man kann dieses "Spiel" zum desensibilisieren zum Beispiel an kitzligen Stellen, belohnen und beruhigen nutzen.

Das Loben erfolgt nicht durch klatschen mit der Handfläche sondern durch streicheln oder reiben mit der Hand.

WICHTIG: Du kannst dem Pferd erlauben, dass es ein paar Schritte macht (sein Kopf sollte Dir zugewandt bleiben bei durchhängendem Strick), der Rhythmus sollte beibehalten werden, denn das gibt dem Pferd die Sicherheit und es weiß welche Bewegung als nächstes kommen wird.
Wie wichtig dieses Spiel aber ist, wurde mir erst viel später Bewust.


Da begannen auch schon die Probleme.

Gina wollte sich nicht anfassen lassen, sie rempelte mich an, schnappte nach mir und schrie ständig nach ihrer Herde. Ich ließ mutlos die Schultern hängen und sah Ines traurig an. Die sagte, Hey, ist nicht wirklich schlimm, das bekommen wir schon hin :-) dann nahm sie Gina und begann mit ihr zu Spielen.

Doch was war das, ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen! Das war ein total anderes Pony da am Seil. Schon nach wenigen Minuten war Gina voll Konzentriert bei Ines. Sie machte Sachen von denen ich nicht mal zu träumen gewagt hatte und zum Schluss stand sie völlig zufrieden und entspannt neben Ines . Da war mir klar das wollte ich auch können. Und so lernte ICH die 7 Spiele

Gina brachte sie MIR bei (sie konnte das schon ) und Ines unterstützte uns dabei ;-)



Ich lernte mein Pony zu führen ohne das der Kopf ständig im Grass steckte, ohne das ich es ziehen musste oder das es mich hinterher schliff. Ich lernte sein Biss-versuche zu Blocken. Lernte seine Hinterhand weichen zu lassen (was einerseits eine dominierende aber auch eine sehr Gymnastizierende Wirkung hat). Und ich lernte das man Pferden viel Respekt entgegen bringen muss, wenn man welchen bekommen möchte. Zum Beispiel das man ein Pferd erst mal um Erlaubnis fragt ob es angefasst werden möchte befor man es einfach angrabscht...

Auch bekam ich meine starken Emotionen in den Griff.
Wenn ich Gina von der Weide holte, dann holte ich sie ab. Ines sagte mir,“ warum soll sie freiwillig kommen? Gibst du ihr einen Grund dafür? Für sie ist es schöner und sicherer bei ihrer Herde. Sie braucht dich nicht. Gib ihr einen Grund das sie gern mit dir geht und gern bei dir ist.“ Das machte mich nachdenklich. Ich setzte mich an einem schönen Tag unter einen schattigen Baum und beobachtete die Herde. Nach ca. einer Stunde war die Herde bei mir im Schatten angekommen. Gina kam zu mir und ich bot ihr meine Hand zur Begrüßung. Dann stellte sie sich hinter mich und ließ ihren Kopf über mir hängen , so verbrachten wir eine Zeit , es war ein sehr schönes Gefühl.
Von nun an rief ich sie nicht mehr und ärgerte mich weil sich nicht kann, sondern ich ging zu ihr hin begrüßte sie holte sie ab und brachte sie auch später zur Herde zurück. Einen Freund lässt man ja auch nicht allein hinter der Tür stehen und geht einfach weg....



Das zweite Spiel...

Porcopine Game- das Stachelschweinspiel

Dieses Spiel lehrt dem Druck zu weichen. Durch statischen Druck in einer Zone veranlasst man das Pferd zu weichen. Druck auf Zone 2 führt dazu, dass das Pferd den Kopf zur Seite nimmt und mit der Vorderhand ausweicht. Druck auf Zone 4 führt zum Ausweichen der Hinterhand. Man benutzt es dazu, um ein Pferd aus einem Raum in dem man es nicht haben möchte, in einem Raum in dem man es haben möchte, zu drängen. Z.B.: Beim Aufsatteln, zum Hufe geben, um den Pferdekopf in eine bestimmte Position zu bringen.
Die Fingerspitzen (Nägel) bilden das Stachelschwein, man beginnt zunächst weich einen Druck damit auszuüben, der dann bei Nicht-Reaktion langsam aber stetig gesteigert wird, solange bis das Pferd nachgibt. Danach erfolgt sofortiges Reiben der Stelle.

Du kannst Dein Pferd vorwärts, rückwärts, seitwärts nach rechts und links, Vorderteil, Hinterteil, Kopf rauf und runter bewegen mit dem simplen Druck Deiner Fingerspitzen.

Dein Pferd sollte sich an den Druck Deiner Fingerspitzen halten (nicht weit wegrennen) und aufhören, wenn Du vom Druck auf streicheln wechselst. Dieses Spiel lehrt dem Druck zu weichen. Durch statischen Druck in einer Zone veranlasst man das Pferd zu weichen. Druck auf Zone 2 führt dazu, dass das Pferd den Kopf zur Seite nimmt und mit der Vorderhand ausweicht. Druck auf Zone 4 führt zum Ausweichen der Hinterhand. Man benutzt es dazu, um ein Pferd aus einem Raum in dem man es nicht haben möchte, in einem Raum in dem man es haben möchte, zu drängen. Z.B.: Beim Aufsatteln, zum Hufe geben, um den Pferdekopf in eine bestimmte Position zu bringen.
Die Fingerspitzen (Nägel) bilden das Stachelschwein, man beginnt zunächst weich einen Druck damit auszuüben, der dann bei Nicht-Reaktion langsam aber stetig gesteigert wird, solange bis das Pferd nachgibt. Danach erfolgt sofortiges Reiben der Stelle.

Haha, das war gar nicht so einfach wie es sich an höhrt. Vor allem wenn einem gänzlich die Energie fehlt und wenn man ständig Glaubt das man seinem Pony weh tut...

Und Gina war eine tolle Lehrerin, sie lehrte mich die vier Phasen der Bestimmtheit einzuhalten. Denn war ich zu Energielos und lasch lachte sie mich aus und machte nichts war ich zu stark, machte sie auch einfach nichts.... oder sie schickte mich durch die Gegend... Aber mit der Zeit lernte ich meine Energie richtig einzusetzen und den Druck angemessen anzuwenden.


"Tatsch it ", ist ein Spiel das sie besonders gern spielt. Und aufs Podest stellen...

Außer den 7 Spielen gibt es natürlich noch eine Menge mehr was Gina gern spielt. Zum Beispiel „Tatsch it“ hier bei bittet man das Pony Gegenstände zu berühren. Mit der Nase, oder den Hufen oder anderen Körperteilen. Man selber bleibt stehen und Zeigt auf den entsprechenden Gegenstand.
Mit Annäherung und Rückzug läst man ihm dann so viel Zeit wie es braucht um den Gegenstand zu berühren. Wenn das getan ist wird sofort stark gelobt. Sei es durch Kraulen und Streicheln liebe Worte aus dem Herzen oder auch Leckereien. Als Gina begriffen hatte, oder besser mich verstanden hatte, wurde das schnell eines ihrer Lieblingsspiele. Bald berührten wir Mülltonnen, Verkehrsschilder, Flatterband, Bäume und und und...

Unsere Beziehung wurde von Tag zu Tag besser und ich fragte mich, warum ich nicht schon viel eher begonnen hatte, die Sprache der Pferde zu erlernen denn dann hätte ich schon viel länger so eine tolle Partnerschaft gehabt...